Poesie und Seele. Eine persönliche Definition

Wenn es um die Seele des Menschen geht, fragen sich viele

Menschen, wo sie wohl sein mag, die Seele, oder ob sie nicht

einfach eine Erfindung ist.

Doch viele Menschen spüren auch, wenn es um die letzten Fragen

geht, dass sie doch mit dem Geist dieser Bestimmungen in

Berührung kommen. Ähnlich verhält es sich auch mit der Poesie.


Wer sich auf Zustände oder Gefühle der Poesie einlässt,
kann erahnen, dass verborgene Bilder in uns existieren.
Ähnlich dem Glück, dessen Erkennen einen Willen voraussetzt,
setzt die Empfindung von Poesie den Willen zur Empathie voraus
.


Wer Momente der Poesie empfinden kann, wird von ihr berührt, ja

mehr noch, sie trifft ihn mitten ins Herz: durch Bilder, die mehr sind

als Bilder, durch Worte und Klänge, die mehr bedeuten als Worte und Klänge.


Erlebte Berührungen durch poetisches Entrücktsein, können klärende
Distanzen herstellen zu Übergriffen und Ansprüchen
eines selbstgerechten Umfeldes, das sich in seiner eigenen Fremdheit erkennt und reproduziert.


Poesie wird dort erfahrbar, wo sich verborgene Zwischenräume in uns, durch erfühlte Wahrnehmungen öffnen lassen.


Poesie nimmt Menschen, die sich auf diese Zwischenräume einlassen,

mit auf eine Reise in das Innere eines tief empfundenen Moments,

um den sich alles dreht.


Die Reise der Poesie führt zu einem Gipfel, von dem aus eine
erhabene Seelenlandschaft sichtbar wird für den, der die Sehnsucht

hat, sie zu entdecken.

 

Dieter Zinn, Hamburg
November 2018

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